Altersvorsorgedepot mit 50: Lohnt sich der Einstieg noch?
Kurz gesagt: Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Depot für die Rente. Es startet am 1. Januar 2027 und ersetzt Riester für neue Verträge.
- Förderung: bis 540 Euro Grundzulage im Jahr bei 1.800 Euro Eigenbeitrag, dazu bis 300 Euro pro Kind. Die Höhe hängt nicht vom Alter ab.
- Auszahlung: frühestens mit 65 (früher nur mit gesetzlicher Rente oder Pension), als Rente oder Auszahlungsplan bis mindestens 85. Die Auszahlungen werden voll versteuert.
- Mit 50 lohnt sich der Einstieg oft noch: 15 Jahre bis 65, in denen du bis zu 8.100 Euro Grundzulage sammeln kannst. Entscheidend sind niedrige Kosten und dass du das Geld nicht vor 65 brauchst.
- Dein Erspartes passt nicht auf einmal hinein: höchstens 6.840 Euro pro Jahr, gefördert werden 1.800 Euro. Für den Rest brauchst du einen freien ETF-Plan.
- Abschließen kannst du ab Januar 2027. Kein Grund zur Eile: Die Zulage für 2027 bekommst du auch mit einem Abschluss im Laufe des Jahres.
Seit dem Sommer wächst kaum ein Finanzthema in der Suche so schnell wie dieses. Banken und Versicherer werben bereits, und die Verbraucherzentralen erwarten zum Jahresende eine Verkaufswelle. Dieser Artikel ordnet das neue Depot ein, ohne dir ein Produkt zu verkaufen: Was es ist, was es bringt und für wen ab 40 es passt.
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Ein Depot, in das du für die Rente sparst und für das der Staat Zulagen zahlt. Grundlage ist das Altersvorsorgereformgesetz, im Mai 2026 verkündet. Anders als bei Riester gibt es keine Pflicht zur Beitragsgarantie: Das Geld darf vollständig in Fonds und ETFs liegen. Es gibt drei Varianten:
- Altersvorsorgedepot: ohne Garantie. Erlaubt sind Fonds und ETFs bis Risikoklasse 5 von 7 sowie Euro-Staatsanleihen. Einzelaktien sind nicht erlaubt.
- Standarddepot: die einfache Form mit genau zwei Fonds, einem risikoarmen und einem chancenorientierten. Jeder Anbieter muss es anbieten, online abschließbar, mit einem Kostendeckel von 1,0 % im Jahr.
- Garantieprodukt: Zu Rentenbeginn sind 80 % oder 100 % der eingezahlten Beiträge und Zulagen garantiert. Garantie kostet Rendite.
Die wichtigsten Regeln auf einen Blick
| Start | Abschluss ab 1. Januar 2027, Förderung ab Beitragsjahr 2027 |
|---|---|
| Wer gefördert wird | wie bei Riester vor allem rentenversicherungspflichtig Beschäftigte und Beamte, neu auch Selbstständige (bis zum 67. Geburtstag). Ehepartner ohne eigene Berechtigung mittelbar mit mindestens 120 € Eigenbeitrag |
| Wer nicht | wer bereits eine Vollrente wegen Alters bezieht, freiwillig Versicherte ohne weiteren Grund |
| Grundzulage | 50 % auf die ersten 360 € Eigenbeitrag, 25 % auf den Teil bis 1.800 €: höchstens 540 € im Jahr |
| Kinderzulage | 100 % des Eigenbeitrags, höchstens 300 € pro Kind mit Kindergeld |
| Mindestbeitrag | 120 € im Jahr (10 € im Monat) |
| Steuer | Sonderausgabenabzug bis 1.800 € plus Zulagen, das Finanzamt prüft automatisch, was mehr bringt. Im Depot keine Steuer auf Erträge |
| Höchsteinzahlung | 6.840 € im Jahr pro Vertrag, gefördert werden davon 1.800 € |
| Auszahlung | frühestens mit 65, spätestens mit 70. Als lebenslange Rente oder Auszahlungsplan bis mindestens 85. Bis zu 30 % auf einmal zu Beginn möglich |
| Besteuerung im Alter | voll mit deinem persönlichen Steuersatz (nachgelagert). Für gesetzlich Krankenversicherte beitragsfrei in Kranken- und Pflegeversicherung |
| Anbieterwechsel | möglich, in den ersten fünf Jahren höchstens 150 € beim alten Anbieter, danach kostenfrei |
Was die Zulage in Zahlen bedeutet
Ein Rechenbeispiel ohne Kursentwicklung: Du zahlst 150 Euro im Monat ein, also 1.800 Euro im Jahr. Der Staat legt 540 Euro dazu. Das sind 30 % auf deinen Beitrag, jedes Jahr, bevor das Depot überhaupt einen Euro erwirtschaftet hat.
| Start mit | Jahre bis 65 | Eigenbeiträge | Grundzulagen |
|---|---|---|---|
| 40 | 25 | 45.000 € | 13.500 € |
| 50 | 15 | 27.000 € | 8.100 € |
| 55 | 10 | 18.000 € | 5.400 € |
| 60 | 5 | 9.000 € | 2.700 € |
Dazu kommt bei mittlerem und höherem Einkommen oft ein Steuervorteil über den Sonderausgabenabzug. Die Kehrseite: Alles, was später ausgezahlt wird, also Beiträge, Zulagen und Erträge, versteuerst du dann mit deinem persönlichen Steuersatz. Wer im Alter einen deutlich niedrigeren Steuersatz hat als heute, profitiert. Wer einen ähnlichen oder höheren hat, deutlich weniger.
Was es für dich mit 45, 50 oder 55 heißt
Mit 45
Rund 20 Jahre bis zur Auszahlung. Genug Zeit für einen hohen Aktienanteil und für die Zulage, Jahr für Jahr mitzuwachsen. Hier zählen vor allem niedrige Kosten, denn ein Prozentpunkt mehr Kosten frisst über 20 Jahre einen großen Teil des Vorteils.
Mit 50
15 Jahre bis 65, danach wird das Geld über mindestens 20 Jahre ausgezahlt, denn der Auszahlungsplan muss bis mindestens 85 laufen. Ein Teil deines Geldes ist also 25 Jahre und länger angelegt. Die Zulage wiegt schwer, weil sie jedes Jahr sofort kommt. In einer Modellrechnung eines Aktuars wuchs der Vorteil gegenüber einem freien ETF-Sparplan mit dem Einstiegsalter bis etwa Mitte 50, sofern die Kosten niedrig sind.
Mit 55
Zehn Jahre bis 65. Wählst du das Standarddepot, wird ab 60 schrittweise in den risikoarmen Fonds umgeschichtet: Fünf Jahre vor Rentenbeginn dürfen höchstens 50 % im chancenorientierten Fonds liegen, zwei Jahre vorher höchstens 30 %. Das bremst Schwankungen kurz vor der Rente, aber auch den Ertrag. Du kannst andere Anteile verlangen. Wichtig ist hier besonders, dass du das Geld wirklich nicht vor 65 brauchst.
Mit 58, 60 oder kurz vor der Rente sieht die Rechnung anders aus. Das steht im eigenen Ratgeber Altersvorsorgedepot mit 60 und kurz vor der Rente.
Ich habe 40.000 Euro auf dem Konto: Altersvorsorgedepot, ETF-Depot oder beides?
Das ist die Frage, die in den meisten Artikeln fehlt. Die Antwort folgt aus einer Regel des Gesetzes: In einen Altersvorsorgevertrag dürfen höchstens 6.840 Euro pro Jahr fließen, und gefördert werden davon nur 1.800 Euro. Ein großer Betrag vom Konto passt also nicht auf einmal hinein.
Für die meisten mit Erspartem heißt das: beides.
- Altersvorsorgedepot: 150 Euro im Monat (1.800 Euro im Jahr), damit du die volle Grundzulage bekommst. Gedacht für Geld, das du sicher erst ab 65 brauchst.
- Freier ETF-Plan: für den Teil deines Ersparten, den du zehn Jahre oder länger nicht brauchst, auf den du aber flexibel zugreifen willst. Ohne Zulage, dafür ohne Sperre bis 65.
- Tagesgeld: Notgroschen und alles, was du in den nächsten Jahren brauchst.
Wer möchte, kann die jährlichen 1.800 Euro auch aus dem Ersparten speisen, statt aus dem laufenden Einkommen. Die Zulage gibt es für jeden eingezahlten Euro, egal woher er kommt.
Für wen es eher nicht passt
- Wer das Geld vor 65 brauchen könnte. Eine vorzeitige Entnahme gilt als schädliche Verwendung, dann sind Zulagen und Steuervorteile weg.
- Wer flexibel bleiben will. Ein freier ETF-Plan hat keine Zulage, aber du kommst jederzeit an dein Geld und entscheidest selbst über die Auszahlung.
- Wer im Alter einen hohen Steuersatz erwartet, etwa durch eine hohe Pension oder Mieteinnahmen.
- Wer ein teures Produkt abschließt. Für das Standarddepot gibt es einen Kostendeckel, für alle anderen Varianten nicht. Hohe Abschluss- und Vertriebskosten können den Vorteil der Zulage auffressen.
Und mein Riester-Vertrag?
Der läuft weiter, nichts wird automatisch gekündigt. Du hast drei Wege:
- Weiterführen wie bisher, mit den alten Förderregeln.
- In die neue Förderung wechseln: eine Erklärung gegenüber dem Anbieter genügt, der Vertrag selbst bleibt.
- Kapital übertragen in ein Altersvorsorgedepot. Die bisherige Förderung musst du nicht zurückzahlen, es können aber Wechselkosten anfallen.
Achtung bei einem Detail: Wer nach dem 31. Dezember 2026 einen neuen Vertrag abschließt, für den gilt das neue Förderrecht für alle seine Verträge. Gerade bei kleinem Einkommen und mehreren Kindern kann das alte Modell günstiger sein. Lass den Altvertrag im Zweifel unabhängig prüfen, zum Beispiel bei einer Verbraucherzentrale, bevor du ihn aufgibst.
Woran du ein gutes Angebot erkennst
Ich nenne keine Anbieter. Diese Fragen helfen dir, selbst zu vergleichen:
- Wie hoch sind die Effektivkosten pro Jahr? Sie müssen im Produktinformationsblatt stehen. Das Standarddepot darf höchstens 1,0 % kosten, gute Angebote liegen deutlich darunter.
- Gibt es Abschluss- oder Vertriebskosten? Ein Depot, das du online selbst eröffnest, braucht keine Provision.
- Welche Fonds stehen zur Wahl? Breit gestreute ETFs mit niedrigen laufenden Kosten, und kannst du selbst wählen?
- Wie flexibel ist der Auszahlungsbeginn? Du musst ihn in einem Korridor von mindestens fünf Jahren selbst wählen können.
- Wer verdient am Abschluss? Wenn dir jemand das Depot im Gespräch verkauft, frag, was er dafür bekommt.
Ein Hinweis zum Zeitplan: Ein staatlich organisiertes Standarddepot ist im Gesetz vorgesehen, der Starttermin ist aber offen. Kein Anbieter ist bisher zertifiziert, alle Konditionen sind vorläufig.
Wie das Altersvorsorgedepot in deinen Plan passt
Denk es nicht als Ersatz für alles, sondern als einen Topf: Geld, das du sicher erst ab 65 brauchst und für das du die Zulage mitnimmst. Daneben bleibt ein freier ETF-Plan für alles, worauf du flexibel zugreifen willst, und das Tagesgeld für die nächsten Jahre. Wie du diese Töpfe aufteilst, steht im Ratgeber Geld anlegen mit 50.
Häufige Fragen
Ab wann kann man ein Altersvorsorgedepot eröffnen?
Ab dem 1. Januar 2027. Vorher darf kein Vertrag zertifiziert werden. Die Förderung gilt für Beiträge ab dem Beitragsjahr 2027, und die Zulage für das ganze Jahr 2027 lässt sich auch mit einem Abschluss im Laufe des Jahres noch sichern.
Wie hoch ist die Förderung im Altersvorsorgedepot?
Die Grundzulage beträgt 50 Prozent auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr und 25 Prozent auf den Teil bis 1.800 Euro, höchstens 540 Euro im Jahr. Pro Kind mit Kindergeld kommen bis zu 300 Euro dazu. Zusätzlich prüft das Finanzamt, ob ein Sonderausgabenabzug mehr bringt.
Gibt es beim Altersvorsorgedepot eine Altersgrenze?
Für den Abschluss nennt das Gesetz keine Höchstgrenze. Die Förderung endet aber, sobald du eine Vollrente wegen Alters beziehst, und Selbstständige sind nur bis zum 67. Geburtstag förderberechtigt. Ausgezahlt wird frühestens mit 65 und spätestens mit 70.
Kann ich vor 65 an das Geld im Altersvorsorgedepot?
Grundsätzlich nicht. Die Auszahlung beginnt frühestens mit 65, früher nur, wenn du bereits eine gesetzliche Altersrente oder Pension beziehst. Eine vorzeitige Entnahme gilt als schädliche Verwendung, dann müssen Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden.
Was passiert mit meinem Riester-Vertrag?
Er läuft weiter wie bisher, nichts wird automatisch gekündigt. Du kannst ihn weiterführen, per Erklärung in die neue Förderung wechseln oder das Kapital ohne Rückzahlung der Förderung in einen neuen Vertrag übertragen. Wer nach dem 31. Dezember 2026 einen neuen Vertrag abschließt, für den gilt das neue Förderrecht für alle Verträge.
Passt es zu dir? Das klären wir gemeinsam
In der ETF-Begleitung schauen wir, ob das Altersvorsorgedepot zu deiner Lage passt und wie es mit deinem übrigen Plan zusammenspielt. Wenn ja, richtest du es ab Januar 2027 ein, ich bin dabei. Den Anbieter wählst du nach den Kriterien selbst. Fester Preis, keine Provision.
Angebot und Preise ansehen
Richard Pawletta begleitet Menschen 1:1 dabei, ihr Erspartes in einen ETF-Plan zu bringen, und erklärt die Grundlagen auf dem YouTube-Kanal Finanzflora. Er verkauft keine Finanzprodukte und nimmt keine Provisionen.
Quellen
- Gesetz zur Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge (Altersvorsorgereformgesetz), BGBl. 2026 I Nr. 156, verkündet am 29. Mai 2026 (recht.bund.de)
- Bundesministerium der Finanzen: Fragen und Antworten zur Reform der geförderten privaten Altersvorsorge (bundesfinanzministerium.de)
- Bundesregierung: Private Altersvorsorge reformiert, 1. Juni 2026 (bundesregierung.de)
- Deutscher Bundestag: Bundestag beschließt das Altersvorsorgedepot, 27. März 2026 (bundestag.de)
- Verbraucherzentrale: Neues Altersvorsorgedepot, Renten-Chance oder teure Verkaufsfalle?, Stand Juli 2026 (verbraucherzentrale.de)
- Stiftung Warentest: Altersvorsorgedepot, was die Riester-Reform bedeutet (test.de)
- DAS INVESTMENT: Bis zu welchem Alter sich das Altersvorsorgedepot lohnt, Modellrechnung, September 2026 (dasinvestment.com)
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Dieser Artikel ist Bildung, keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Er gibt den Stand vom 24. Oktober 2026 wieder; einzelne Durchführungsregeln stehen noch aus. Kapitalanlagen schwanken, Verluste sind möglich.